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Bunkeranlage Kossa
Die Bunkeranlage ist für Freunde der Militärtechnik und -Geschichte sehenswert. Ziehen Sie sich warm an, denn es herrscht unter Tage ein gleichbleibend feucht-kaltes Klima mit Temperaturen um 10-14 Grad.
Als wir die Tour am Samstag, dem 29.05.2010 mit dem Fahrrad durch die Waldwege der Dübener Heide ausprobierten und einen Termin für die Besichtigung der Bunkeranlage in Kossa für 13 Uhr gebucht hatten, ahnten wir nicht, mit welchen Schwierigkeiten wir zu kämpfen haben werden. Beschilderung im Wald ist eben immer abhängig von den Menschen, die Ausflugsziele ausschildern und von ihren scheinbaren Interessen. Die Bunkeranlage in Kossa gehört wohl nicht zu diesen.
Weiterhin war an den Tagen vor unserem Ausflug etwas Regen gefallen, wodurch sich die von der schweren Waldtechnik stark zerfahrenen Waldwege in Schlammbäder und kleine Seenlandschaften verwandelt hatten, die nur mühsam und langsam durchquert werden konnten. Als eine besondere Schwierigkeit erwiesen sich auch Waldwege, die uns zu Umwegen zwangen, weil sie von Schnee- und Windbruchholz versperrt waren. Sicher, es stand ein Schild davor: Für KFZ gesperrt. Aber immerhin waren wir ja nicht mit Kraftfahrzeugen unterwegs, sondern mit unseren Fahrrädern.
Zuguterletzt hatten wir in unserem Radlerteam eine Panne mit einem defekten Schlauch, so dass die Weiterfahrt vollends aussichtslos erschien und der Termin 13 Uhr nicht mehr gehalten werden konnte. Somit begnügten wir uns damit, noch gemütlich Mittag zu essen und dies sollte in Kossa geschehen. Doch auch dies sollte uns nicht gelingen; an der alten Schmiede sollte erst um 14 Uhr geöffnet sein und die zweite Gaststätte hatte immerhin ein handgeschriebenes Blatt mit der Aufschrift "Geschlossen" ins Fenster gestellt. Wie dem auch sei, Mittags in Kossa konnten wir scheinbar unseren Hunger nicht stillen. Der freundliche Einzelhändler im Ort, der bereits seit 11 Uhr geschlossen hatte, ließ uns - unsere Not erkennend - ein und verkaufte uns ein aus Cola, Würstchen, Kuchen, Brötchen und Schokolade selbst zusammengestelltes MIttagsmenü.
Mit dem Rad war die Bunkeranlage also nicht so gut zu erreichen, wenn man keine Vorstellung von der Lage des Areals hat und kein mobiles Navigationsgerät dabei hat. Der Ausflug in die Bunkeranlage wurde also um zwei Wochen verschoben und am 13.06. mit dem Auto nachgeholt. Die Anfahrt war hier schon wesentlich vereinfacht, es liegen immerhin kilometerweite Distanzen zwischen den Orten und eine Bunkeranlage ist gemeinhin gut versteckt und abgelegen.
Die Wege, die zur Anlage führen, sind mit den typischen DDR-Platten gepflastert. Die Straßen sind auch nicht übermäßig breit, sich begegnende Fahrzeuge sind angehalten, langsam und am Straßenrand aneinander vorbei zu fahren. Auf dem Weg zur Bunkeranlage kommt man am Gasthof Friedrichshütte vorbei, wo wir an diesem Wochenende auch eine Mittagsmahlzeit zur Mittagszeit bekamen. An der Bunkeranlage selbst wäre auch eine Speisemöglichkeit gewesen, aber die Massenversorgung mit Erbsensuppe und Würstchen ist eben nicht jedermanns Sache.
Auf dem Gelände der Bunkeranlage ist eine DDR-typisch gestaltete Parkmöglichkeit vorhanden. Die Anmeldung und Bezahlung erfolgt in einer Versorgungsbaracke, die authentisch erhalten wurde. Im Inneren dieser Baracke umweht den Besucher der Duft der DDR, ein Mix aus Muff von Desinfektion, Baustoffausdünstungen und gammeligen Textilien erinnert an längst vergangene Zeiten. Für Menschen, die diese Zeiten nicht selbst miterlebt haben, ist das sicher ein olfaktorisches Erlebnis, alle anderen dürften - je nach persönlichen Regimeerfahrungen - sich erinnernd angewidert oder nostalgisch berührt fühlen.
Der die etwa 20köpfige Gruppe durch die Bunkeranlage führende Sachse machte seine Späße, die nicht für alle Besucher lustig waren: der zündende Humor war ihm wohl verloren gegangen und er musste die Pointen gelegentlich kommentieren. Dafür konnte er sich im Inneren der Bunkeranlage ziemlich lange an den Karten und Planspielen des dritten Weltkrieges aufhalten und erläutern, dass dieser glücklicherweise nicht stattgefunden hat. Die Führung dauerte gute 2 Stunden.
Alles in allem ist die Bunkeranlage ein wichtiges Denkmal gegen das Vergessen. Die Art, mit der die perfide militärische Weise eines Regimes alle Naturgesetze ignorierend den Menschen etwas vorgelogen hat, sollte in Erinnerung bleiben. Die Qualifikation der heutigen Anlagenführer steht scheinbar etwas im Kontrast zum eigentlichen Anspruch der Anlage.
